Als Coach und psychologische Beraterin bin ich immer neugierig auf Methoden, die Menschen dabei unterstützen können, neue Perspektiven zu entwickeln. Deshalb habe ich mich entschieden, einen Facebook-Kurs zum Thema Neurografik zu besuchen und die Methode selbst auszuprobieren.
Ich wollte nicht nur theoretisch verstehen, worum es dabei geht, sondern vor allem erleben, wie sich das Zeichnen auf die eigenen Gedanken, Gefühle und Sichtweisen auswirkt.
Die Neurografik wurde 2014 vom russischen Psychologen, Architekten und Coach Pavel Piskarev entwickelt. Sie verbindet Elemente aus Psychologie, kreativem Zeichnen, Symbolarbeit und neurowissenschaftlichen Ansätzen. Die Grundidee lautet, dass neue Linien und Formen dabei helfen können, eingefahrene Denk- und Wahrnehmungsmuster zu verändern und neue Lösungswege sichtbar werden zu lassen.
Meine Erfahrungen
Ich war überrascht, wie intensiv dieser Selbstversuch war.
Schon nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass es beim Zeichnen nicht nur um Linien und Formen geht. Während des kreativen Prozesses tauchten immer wieder Gedanken, Erinnerungen und Gefühle auf, die ich vorher gar nicht bewusst wahrgenommen hatte.
Je länger ich zeichnete, desto mehr entstand das Gefühl, dass sich innere Themen ordneten. Manche Situationen betrachtete ich plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel. Es war, als würde sich der Kopf langsam sortieren und neue Möglichkeiten entstehen.
Natürlich ersetzt das Zeichnen keine therapeutische Arbeit. Dennoch kann es ein wertvoller Impuls sein, um eingefahrene Denkweisen zu verlassen und neue Perspektiven zu entdecken.
Eine überraschende Erkenntnis
Mit einer Sache hatte ich überhaupt nicht gerechnet:
Das verwendete Material macht einen enormen Unterschied.
Ich habe verschiedene Stifte, Marker und Papiersorten ausprobiert. Dabei wurde mir schnell bewusst, dass jedes Material ein anderes Zeichengefühl erzeugt.
Manche Stifte gleiten weich und fließend über das Papier und laden dazu ein, intuitiv zu arbeiten. Andere erzeugen mehr Widerstand und beeinflussen dadurch unbewusst die Linienführung und das gesamte Erleben. Auch die Papierqualität verändert den kreativen Prozess deutlich stärker, als ich erwartet hätte.
Gerade wenn man sich intensiver mit dieser Methode beschäftigt, lohnt es sich, verschiedene Materialien auszuprobieren. Das richtige Werkzeug unterstützt nicht nur das Zeichnen, sondern auch die innere Ruhe und Konzentration.
Mein persönliches Fazit
Dieser Selbstversuch hat mir viele wertvolle Erkenntnisse geschenkt.
Ich habe erlebt, wie kraftvoll kreatives Arbeiten sein kann und wie eng Gedanken, Gefühle und Ausdruck miteinander verbunden sind. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass nicht jede Methode für jeden Menschen gleichermaßen geeignet ist. Deshalb finde ich es wichtig, offen zu bleiben, selbst Erfahrungen zu sammeln und verschiedene Wege kennenzulernen.
Viele der Impulse aus diesem Selbstversuch nehme ich mit in meine tägliche Arbeit. Nicht als starres Konzept, sondern als Inspiration dafür, wie kreative Prozesse dabei helfen können, neue Blickwinkel zu entwickeln und festgefahrene Gedanken in Bewegung zu bringen.
Vielleicht beginnt Veränderung manchmal genau dort, wo wir den Mut haben, einfach den ersten Strich zu zeichnen.

